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Nachfolge-Fördermittel: Welche Zuschüsse und Kredite gibt es bei der Betriebsübernahme?

John Klein
Nachfolge-Fördermittel: Welche Zuschüsse und Kredite gibt es bei der Betriebsübernahme?

Wer ein Unternehmen übernehmen möchte, muss den Kaufpreis in den seltensten Fällen vollständig aus eigener Tasche finanzieren. In der Praxis werden Übernahmen im Bereich von €100.000 bis €1 Million häufig zu 70–80 % fremdfinanziert – ein großer Teil davon über staatlich geförderte Instrumente, die speziell für Nachfolgesituationen konzipiert wurden.

Das Problem: Die meisten Interessenten wissen nicht, welche Instrumente es gibt, wann sie beantragbar sind und wie sie kombiniert werden können.

Die Förderlandschaft ist dabei in mehreren Ebenen organisiert. Auf Bundesebene stellt die KfW zinsgünstige Kredite bereit, die speziell für Gründung und Nachfolge konzipiert sind. Ergänzt werden diese durch Bürgschaftsbanken, die fehlende Sicherheiten ersetzen können. Auch sie sind auf Bundesebene organisiert, aber in jedem Bundesland eigenständig verankert. Auf Landesebene kommen dann die Landesförderinstitute hinzu: In Bayern ist das die LfA Förderbank, in NRW die NRW.BANK, in Baden-Württemberg die L-Bank...und so weiter. Diese drei Ebenen können und sollen kombiniert werden. In Österreich und der Schweiz gibt es vergleichbare Strukturen: mit der Austria Wirtschaftsservice (AWS) bzw. den regionalen Bürgschaftsgenossenschaften als zentrale Anlaufstellen - auf die wir am Ende dieses Beitrags gesondert eingehen.

Wichtiger Hinweis vorab: Fördermittel müssen in der Regel vor Abschluss des Kaufvertrags beantragt werden. Wer erst nach der Unterschrift fragt, hat in vielen Fällen keinen Anspruch mehr.

Wie staatliche Förderung in Deutschland funktioniert

Bevor wir zu den einzelnen Programmen kommen, eine wichtige Grundregel: Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) hat keine eigenen Filialen. Man kann einen Förderkredit nicht direkt bei der KfW beantragen – der Antrag läuft immer über die eigene Hausbank, also die Sparkasse, Volksbank oder Privatbank, bei der man bereits Kunde ist.

Die Hausbank prüft das Vorhaben, leitet den Antrag weiter und bleibt Vertragspartner. Die KfW übernimmt im Gegenzug einen Teil des Kreditrisikos – das nennt sich Haftungsfreistellung. Je nach Programm trägt die KfW 50 bis 80 % des Ausfallrisikos. Das ist der entscheidende Hebel: Die Bank hat weniger Risiko, und gibt den Kredit deshalb eher und zu günstigeren Konditionen.

Praktisch bedeutet das: Das Gespräch beginnt bei der Hausbank. Man schildert das Vorhaben, und die Bank entscheidet, welches KfW-Programm passt und leitet den Antrag ein.

Die wichtigsten KfW-Programme für Unternehmenskäufer

Die KfW führt mehrere Programme, die für Unternehmensübernahmen relevant sind. Welches das richtige ist, hängt vor allem von der Größe des Vorhabens und davon ab, ob der Käufer bereits unternehmerisch tätig ist.

ERP-Gründerkredit StartGeld (Programm 067)

Das StartGeld ist das zugänglichste Instrument für kleinere Übernahmen. Es richtet sich an Existenzgründer und Nachfolger, deren Unternehmen nach der Übernahme nicht älter als fünf Jahre am Markt ist. Die KfW übernimmt 80 % des Kreditrisikos – damit ist die Hürde bei der Hausbank deutlich niedriger als bei einem klassischen Firmenkredit.

ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (Programm 077)

Für größere Übernahmen, bei denen €200.000 nicht ausreichen, ist Programm 077 das zentrale Instrument. Es deckt explizit Nachfolgesituationen ab und ermöglicht eine anteilige Finanzierung des Kaufpreises, von Investitionen und Betriebsmitteln.

ERP-Förderkredit KMU (Programm 365/366)

Wer ein größeres Unternehmen übernimmt oder bereits zwei Jahresabschlüsse vorweisen kann, kommt für den ERP-Förderkredit KMU in Frage.

Für den typischen Zielkauf - ein Handwerks- oder Dienstleistungsbetrieb mit einem Kaufpreis zwischen €150.000 und €500.000 - sind die Programme 067 und 077 die relevanten Einstiegspunkte, oft auch in Kombination.

Bürgschaftsbanken: Wenn Sicherheiten fehlen

Eine der häufigsten Hürden bei der Übernahme-Finanzierung ist nicht die Bonität des Käufers, sondern fehlende Sicherheiten. Wer kein Eigenheim oder größeres Vermögen als Pfand einbringen kann, scheitert oft schon im Bankgespräch, ganz unabhängig davon, wie tragfähig das Geschäftsmodell des zu übernehmenden Betriebs ist.

Genau hier setzen die Bürgschaftsbanken an. Sie sind Selbsthilfeeinrichtungen der Wirtschaft - privatrechtlich organisierte Spezialinstitute - und übernehmen als Bürge bis zu 80 % des Kreditbetrags. Die Hausbank trägt damit nur noch einen kleinen Teil des Risikos und ist entsprechend eher bereit, den Kredit zu vergeben.

In Deutschland gibt es in jedem Bundesland eine eigenständige Bürgschaftsbank, zum Beispiel die Bürgschaftsbank Bayern, die Bürgschaftsbank NRW oder die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg. Die Konditionen und Programme sind bundesweit weitgehend einheitlich:

Ein praktisch nützliches Sonderprogramm, das viele nicht kennen, ist die "Bürgschaft ohne Bank" (BoB): Hier wendet man sich zuerst direkt an die Bürgschaftsbank, erhält eine grundsätzliche Bürgschaftszusage, und geht damit gestärkt in das Gespräch mit der Hausbank. Das erleichtert die Kreditsuche erheblich, besonders bei kleineren Beträgen.

Die zentrale Anlaufstelle für alle 16 deutschen Bürgschaftsbanken ist ermoeglicher.de, wo man direkt zur zuständigen Bank des eigenen Bundeslandes weitergeleitet wird.

Landesförderinstitute: Die dritte Ebene

Neben KfW und Bürgschaftsbanken haben die meisten Bundesländer eigene Förderinstitute, die zusätzliche Kredite, Zuschüsse oder Beteiligungskapital für Unternehmensübernahmen bereitstellen. Diese Programme sind weniger bekannt, können aber — gerade in Kombination mit KfW-Mitteln — die Eigenkapitalanforderungen spürbar senken.

Die wichtigsten Institute nach Bundesland:

Die konkreten Konditionen unterscheiden sich von Land zu Land und ändern sich regelmäßig. Der schnellste Weg zur aktuellen Information ist die Förderdatenbank des Bundes unter foerderdatenbank.de - dort lässt sich nach Bundesland, Zielgruppe und Verwendungszweck filtern.

Österreich und die Schweiz

Österreich: AWS und Landesförderungen

In Österreich übernimmt die Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) eine vergleichbare Rolle wie KfW und Bürgschaftsbanken zusammen — sie vergibt sowohl zinsgünstige Kredite als auch Garantien für Unternehmensübernahmen.

Die zwei relevantesten Instrumente für Käufer:

aws erp-Kredit: Der Förderkredit mit besonderen Gründungskonditionen für Übernahmen bis sechs Jahre nach dem Übernahmestichtag. Förderfähig sind Kaufpreis, Investitionen und Betriebsmittel - sowohl bei Asset Deals als auch bei Share Deals, sofern ein tatsächlicher Mehrheitswechsel stattfindet.

aws Garantie: Die AWS übernimmt in der Regel 80 % des Kreditrisikos gegenüber der finanzierenden Bank - strukturell identisch mit dem deutschen Bürgschaftsbankmodell. Besonders interessant ist die Variante "Double Equity": Eigenkapital, das der Käufer einbringt, wird durch einen garantierten Kredit verdoppelt. Das hebelt den Eigenkapitaleinsatz erheblich.

Beide Instrumente können kombiniert werden. Antragstellung erfolgt über die Hausbank oder direkt bei der AWS unter aws.at. Auf Landesebene bietet die WKO unter wko.at/foerderungen einen strukturierten Überblick über weitere Fördermöglichkeiten.

Schweiz: Bürgschaftsgenossenschaften

Die Schweiz kennt kein zentrales staatliches Förderkreditprogramm im KfW-Stil. Stattdessen gibt es vier regionale Bürgschaftsgenossenschaften, die gemeinsam das gesamte Land abdecken:

Sie bürgen für Bankkredite von bis zu CHF 1 Million pro Unternehmen, explizit auch für Nachfolge- und Übernahmefinanzierungen. Anlaufstelle und Überblick: sbgs.ch.

Wie die Instrumente zusammenspielen: ein Praxisbeispiel

Die einzelnen Programme entfalten ihre volle Wirkung erst in der Kombination. Ein Beispiel, das einen typischen Übernahmefall abbildet:

Ausgangssituation: Ein Käufer möchte einen Handwerksbetrieb in Bayern für €350.000 übernehmen. Er bringt €50.000 Eigenkapital mit, hat aber keine weiteren Sicherheiten.

Mögliche Finanzierungsstruktur:

Die Bürgschaft der Bürgschaftsbank Bayern sichert dabei nicht einen eigenen Kredit ab, sondern die Hausbank-Finanzierung - sie ist das Instrument, das den Kredit überhaupt erst möglich macht, wenn klassische Sicherheiten fehlen.

Das Ergebnis: Der Käufer finanziert einen Kaufpreis von €350.000 mit €50.000 Eigenkapital, oder einem Eigenkapitalanteil von rund 14 %. Ohne Fördermittel hätte eine Bank in der Regel 20–30 % Eigenkapital verlangt, oft mehr.

Wichtig: Das ist ein vereinfachtes Beispiel. Die tatsächliche Struktur hängt von Bonität, Kaufpreisaufteilung, Branche und Bundesland ab. Es gibt keine Einheitslösung — aber das Prinzip der Stapelung verschiedener Instrumente gilt grundsätzlich.

Was viele zu spät tun: die Beantragung

Das häufigste Missverständnis bei Fördermitteln ist der Zeitpunkt. Förderkredite der KfW und der Landesinstitute müssen beantragt und genehmigt sein, bevor der Kaufvertrag unterzeichnet wird. Wer erst im Nachgang fragt, hat in den meisten Fällen keinen Anspruch mehr.

Der empfohlene Ablauf:

1. Frühzeitig das Gespräch mit der Hausbank suchen, idealerweise sobald ein konkretes Kaufobjekt in Sicht ist
2. Parallel bei der Bürgschaftsbank anfragen, entweder über die Hausbank oder direkt per "Bürgschaft ohne Bank"
3. Erst nach Finanzierungszusage den Kaufvertrag unterzeichnen

Wer gut vorbereitet in die Verhandlung geht, signalisiert dem Verkäufer auch Ernsthaftigkeit und Transaktionssicherheit — ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

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